Thema: Datensicherung – Sicherungsmedien und Aufbewahrungsorte

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Prolog
Laut einer Studie der Statistika GmbH. - Hamburg haben nur etwa 47% der Unterehmen ein Konzept der Datensicherung ausgearbeitet und umgesetzt, 21% der befragten Unternehmen beantworten diese Frage mit teilweise umgesetzt. Rund 25% der Unternehmen setzen keine Datensicherung ein; der Rest, ca. 7%, hat keine Informationen über unternehmensinterne Datensicherungs-Konzepte.

Bei der täglichen Ausführung meiner Tätigkeit als IT-Dienstleister stoße ich beim Thema Datensicherung vielerorts auf taube Ohren und verschlossene Augen. Bei genauerem Hinhören in Beratungsgesprächen vor Ort wird sehr schnell klar, dass die Tragweite des Verlusts an Produktivdaten in den seltensten Fällen das Bewusstsein der Geschäftsführung erreicht. Nach wie vor wird mein dringliches Anraten zur Erstellung eines ganzheitlichen Konzepts zur Datensicherung mit Argumenten wie "...unsere Hardware ist nicht alt", "...momentan sind keine Investitionen möglich" oder "...wir verwenden einen aktuellen Virenschutz" vom Kunden abgetan.

Die folgenden Beiträge richten sich in erster Linie nicht nur an IT-Experten sondern an Unternehmer und Geschäftsführer (EPU, KMU) und sollen einen einfachen Einblick in die Komplexität des Themas vermitteln.

 

Beiräge

 

Welche Sicherungsmedien

Die Frage nach dem geeigneten Datensicherungsmedium ist wiederum von bestimmten Faktoren abhängig. Ungeachtet dieser Faktoren finden Sie folgend eine Liste möglicher und dem aktuellen Stand der Technik entsprechenden Speichermedien:

  • CD, CD-RW, DVD+-, DVD-RW, Blue-Ray
  • USB Sticks, Flash Speicherkarten, SSD Festplatten
  • Festplatten (intern, extern, SATA, SAS, SCSI (USB))
  • Netzwerkspeichersysteme (NAS, SAN)
  • Magnetbänder (DAT, DLT, SLR, DDO, TARVAN, )
  • Cloud

Nutzungsfaktoren und Handhabung

Nicht alle der oben gelisteten Speichermedien sind im praktischen Einsatz zur Datensicherung geeignet. Zu den bestimmenden Faktoren zählen hier die Speicherkapazität, die Lebensdauer und die Lagerbedingungen der Medien.

Optische Medien wie CD, CD-RW, DVD+-, DVD-RW, Blue-Ray eignen sich gut zur Archivierung von Musikdateien und Fotos. Die Lagerung und Aufbewahrung gestaltet sich eher aufwendig: die Umgebungstemperatur zur Langzeitarchivierung liegt optimal bei +25 Grad Celsius, die optimale Luftfeuchtigkeit liegt zwischen 40 und 60 Prozent. Kratzer, Aufkleber, die chemische Lösungsmittel im Klebstoff enthalten oder die Beschriftung mit einer zu harten Spitze und unverträglicher Tinte sowie Fingerabdrücke und Sonneneinstrahlung bedeuten den Datentod auf Sicht. Optische Medien eignen sich gut zur Archivierung von Musikdateien und Fotos im privaten Umfeld. Ihre Lebenszeit ist jedoch begrenzt und das Datenvolumen für gewerbliche Zwecke in sehr vielen Fällen zu gering. Um Kratzer beim Ein- und Auspacken der Medien zu verhindern, sollen optische Speichermedien in Kunststoff-Hüllen an Stelle von Pappkarton- oder Papierhüllen und zudem möglichst finster gelagert werden.

USB Sticks, Flash Karten, SSD Festplatten (Flash Speicher) eignen sich im Allgemeinen sehr gut zur Datenarchivierung. Als Langzeitspeicher sind Flashspeicher lediglich von Verschleiß durch das direkte Beschreiben der Speicherzellen bedroht. Dabei garantieren die Hersteller mehr als 100.000 Schreibzyklen. Durch den hohen Preisdruck kommen oftmals Speicherchips von schlechter Qualität zum Einsatz. Unbedingt empfehlenswert ist es, beim Kauf auf Qualität zu achten: keine No-Name-Speicher sondern Produkte von renommierten Anbietern erwerben. Durch bereits sehr hohe Speicher-Kapazitäten und im Gegensatz zu magnetischen Festplatten gegen Erschütterungen eher unempfindlich, eignen sich SSD Datenträger besonders gut zur Datenarchivierung. Sehr schnelle Zugriffszeiten und Transferraten zeichnen diese Medien ebenfalls aus.

Festplatten mit USB-, Firewire-Anschluss oder verbaut als Netzwerkspeicher in Form von NAS- oder SAN-Systemen eignen sich vorzüglich als Langzeitspeicher. Sie sind preiswert, sehr große Kapazitäten bei sehr geringem Platzbedarf. Im Betrieb überleben Festplatten nur wenige Jahre. Unter Verwendung von RAID-Systemen oder S.M.A.R.T. können Hardwareschäden weitgehend unter Kontrolle gebracht oder durch vorzeitigen Tausch vermieden werden. Vorgefertigte Netzwerkspeicher-Systeme bieten diese Vorteile Out-Of-The-Box. Bei der Verwendung von nicht festverbauten Festplatten (USB) gelten besondere Handhabungshinweise:

  • Erschütterungen und Stöße sind strikt zu vermeiden.
  • Besondere Vorsicht beim An- und Abstecken der Geräte an den PC/Server:
    Spannungsführende Kontakte können einen Kurzschluss und schwerwiegende Hardwarefehler verursachen!
  • Das Mitführen von USB-Festplatten in Handtaschen ist zu unterlassen!

Magnetbänder zur Datensicherung finden ausschließlich im Geschäftsumfeld und bei sehr großen Datenvolumen Anwendung. Magnetbänder speichern große Kapazitäten zu einem sehr günstigen Medienpreis. Magnetbänder sind bei richtiger Lagerung sehr lange haltbar: einmal beschrieben kann ein Tape ist bis zu 30 Jahre lang lesbar sein. Allerdings sind die Anschaffungskosten der Laufwerke sehr hoch, die Handhabung der Tapes kompliziert und die Zeiten für Sicherung und Wiederherstellung fallen länger aus.

Cloud als Datensicherungsmedium wäre ebenfalls eine Möglichkeit. Der Cloud-Anbieter muss zwingend eine verschlüsselte Übertragung und Ablage der Daten garantieren. Datenverlust durch Hardwaredefekt droht bei professionellen Anbietern nicht: die Daten werden redundant auf verschiedene Systemen gesichert, der Zugriff auf Daten kann weltweit erfolgen. Zum Schutz Ihrer Daten wählen Sie besser einen Provider mit Sitz in Europa und nicht in den USA. Bei großen Kapazitäten kann die Wiederherstellung verloren gegangener Daten länger dauern, ebenso sind die fortlaufenden Kosten des Cloud-Anbieters zu berücksichtigen.

Warum ein RAID-System kein BACKUP ersetzt

RAID steht für Redundant Array of Independent Disks, also eine redundante Anordnung unabhängiger Datenträger. Das bedeutet, dass man anstelle einer einzelnen Festplatte mehrere gleichartige Festplatten zu einer Gruppe zusammenfasst (einem Verbund) und diese mit einer speziellen Form des Zugriffs betreibt. Je nach Zugriffsform auf das System kann damit die Datensicherheit erhöht (weil identische Dateien auf verschiedene Festplatten verteilt werden) oder die Bereitstellung der Dateien beschleunigt werden. Der Begriff Datensicherheit in dieser Hinsicht bezieht sich ausschließlich auf einen (Hardware-)Defekt einer oder je nach Raid-Konfiguration auch mehrerer Festplatten.

RAID kann aber niemals eine Datensicherung ersetzen. Unabhängig von der Anzahl der verbauten Festplatten und der zum Einsatz kommenden Zugriffsform (RAID-Level) kann ein Datenverlust nicht ausgeschlossen werden. Werden Daten fehlerhaft geschrieben oder gelöscht, liegt ein Softwarefehler vor oder wurde ein System durch einen Virus infiziert, der Daten unbrauchbar macht, werden diese Änderungen auch auf die anderen Festplatten übertragen. Fazit: RAID gewährleistet (bei geeignetem RAID-Level) den Weiterbetrieb im Netzwerk, falls eine (oder auch mehrere) Festplatten ausfallen sollten.

Aufbewahrung der Sicherungs-Datenträger

Sicherungs-Datenträger unterliegen besonderen Anforderungen hinsichtlich ihrer Aufbewahrung:

  • Ein Zugriff auf diese Datenträger darf nur befugten Personen möglich sein, eine Entwendung oder Veränderung von Daten muss ausgeschlossen sein.
  • Im Bedarfsfall muss ein schneller Zugriff auf diese Datenträger gewährleistet sein.
  • Der Aufbewahrungsort muss unter allen Umständen die klimatischen Bedingungen für eine längerfristige Aufbewahrung von Datenträgern gewährleisten.
  • Im Katastrophenfall müssen die Sicherungs-Datenträger räumlich getrennt von den Rechnersystemen aufbewahrt werden, z.B. in einem anderen Brandabschnitt oder einem Bankschließfach.
  • Werden Sicherungs-Datenträger außerhalb der gewerblich genutzten Räumlichkeiten aufbewahrt, muss jeweils die aktuellste Version der Daten vorliegen.
  • Eine Duplizierung der außer Haus aufbewahrten Sicherungs-Datenträger sollte für den Katastrophenfall ebenfalls gegeben sein.

Weiters zu beachten ist die Kennzeichnung von Sicherungs-Datenträgern zur schnellen und eindeutigen Identifizierung derselben. Um einen Missbrauch zu erschweren, sollte die Kennzeichnung für Unbefugte keine Rückschlüsse auf den Inhalt erlauben. Eine festgelegte Struktur von Kennzeichnungsmerkmalen wie z.B. Datum, lfd. Nummer oder Wochentag erleichtern die Zuordnung der Medien in Bestandsverzeichnissen.

Für die interne Weitergabe von Sicherungs-Datenträgern an IT-Beauftragte oder Mitarbeiter, muss eine schriftliche Regelung über die Handhabung der Datenträger getroffen werden.

Bei der Ausscheidung von Sicherungs-Datenträgern aus dem Datensicherungs-Zyklus muss eine geregelte Vorgehensweise für die Löschung der Daten oder Vernichtung des Datenträgers getroffen werden, um einen Missbrauch der gespeicherten Daten zu verhindern.

Die Aufbewahrung von USB-Festplatten oder anderen Wechseldatenträgern an dafür ungeeigneten Orten ist strikt zu unterlassen!

 

Quellennachweis und weitere Informationen:
Wikipedia: Magnetband
Wikipedia: Speicherkapazität
Wikipedia: Optische Datenspeicher
Wikipedia: NAS - Network Attached Storage
Wikipedia: SAN - Storage Area Network
Wikipedia: RAID
Wikipedia: S.M.A.R.T.