PV-Anlage, Batteriespeicher oder Wallbox: IT-Sicherheit endet nicht beim Stromanschluss

Moderne PV-Anlagen, Batteriespeicher und Wallboxen sind längst nicht mehr ausschließlich elektrotechnische Systeme. Wechselrichter, Energiemanagementsysteme, Speicher und Ladeeinrichtungen werden zunehmend in bestehende Netzwerke eingebunden und kommunizieren mit Hersteller-Clouds, Apps oder anderen Systemen.Damit wird auch die IT-Sicherheit zu einem wichtigen Bestandteil einer professionellen Installation.

Wenn einfach ein Netzwerkkabel gesteckt wird

Aus der Praxis kennen wir leider auch die andere Seite.

In mehreren Fällen wurden im Zuge der Installation zusätzliche Netzwerk-Switche, AP oder sogar Router angeschlossen und damit die vorhandene Netzwerkstruktur verändert. Eine technische Dokumentation der Änderung, eine nachvollziehbare Beschreibung der angeschlossenen Geräte oder eine Prüfung der Netzwerkkonfiguration gab es nicht.

Die Anlage funktionierte – und damit war die Aufgabe aus Sicht der Installation offenbar erledigt.

Aus Sicht der IT ist „es funktioniert“ allerdings nicht gleichbedeutend mit „es ist sicher und fachgerecht installiert“.

Ein Netzwerk-Switch, ein AP oder Router können durchaus Auswirkungen auf die bestehende Infrastruktur haben. Noch wichtiger ist aber, dass nach einer Änderung nachvollziehbar sein muss

  • was angeschlossen wurde,
  • wo es angeschlossen wurde und
  • welche Geräte darüber kommunizieren

Energieanlagen gehören nicht ungeprüft ins normale Netzwerk

Ein Wechselrichter, eine Wallbox oder ein Energiemanagementsystem ist technisch gesehen ein vernetztes Gerät. Je nach Hersteller verfügt es über eigene Benutzerkonten, Webschnittstellen, Cloud-Anbindungen, Fernwartungsmöglichkeiten und teilweise weitere lokale Kommunikationsschnittstellen.

Werden solche Geräte einfach in das vorhandene Heim- oder Firmennetz integriert, können dadurch unnötige Vertrauensbeziehungen entstehen.

Eine professionelle Lösung kann beispielsweise vorsehen, Energie- und IoT-Geräte in einem eigenen Netzwerk bzw. VLAN zu betreiben und den Datenverkehr über die Firewall gezielt zu kontrollieren.

Damit lässt sich beispielsweise verhindern, dass ein Energiegerät ohne Not auf Büro-PCs, Server oder andere interne Systeme zugreifen kann.

Auch Portfreigaben und Fernwartung verdienen Aufmerksamkeit

Besonders kritisch wird es, wenn für eine Anlage Portfreigaben im Internet eingerichtet werden, damit Hersteller oder Installateur von außen auf ein Gerät zugreifen können.

Fernwartung kann sinnvoll sein. Sie muss aber kontrolliert, dokumentiert und auf das notwendige Maß beschränkt sein.

Eine direkte Erreichbarkeit eines Wechselrichters oder einer Wallbox aus dem Internet sollte jedenfalls nicht einfach deshalb eingerichtet werden, weil es für die Installation bequem ist.

Und was passiert mit den Daten?

Auch der Datenschutz darf nicht vergessen werden.

Moderne Energieanlagen können detaillierte Informationen über Stromerzeugung, Verbrauch, Speicherzustand und Ladevorgänge erfassen. Über Cloud-Dienste können diese Informationen an Hersteller oder andere Dienstleister übertragen werden.

Daher sollte bekannt sein:

* Welche Daten werden übertragen?
* Wohin werden sie übertragen?
* Wer kann darauf zugreifen?
* Welche Cloud-Dienste werden verwendet?
* Wie lange werden Daten gespeichert?
* Ist ein lokaler Betrieb möglich?
* Wer besitzt Administrator- und Fernwartungszugänge?

Dokumentation ist kein Luxus

Gerade bei Änderungen an einer bestehenden IT-Infrastruktur ist eine nachvollziehbare Dokumentation entscheidend.

Ein einfacher Netzwerkplan, eine Liste der angeschlossenen Geräte, die verwendeten Netzwerksegmente, relevante IP-Adressen sowie dokumentierte Zugänge und Firewall-Regeln können später viel Zeit und Ärger ersparen.

Denn spätestens wenn einige Jahre später ein Fehler auftritt, ein Gerät ausgetauscht wird oder ein Sicherheitsproblem bekannt wird, stellt sich die Frage:

Was wurde damals eigentlich installiert und wie wurde es konfiguriert?

Wenn darauf niemand eine verlässliche Antwort geben kann, wird aus einer kleinen Änderung schnell ein erhebliches Problem.

Unser Ansatz

Wir sind der Meinung, dass bei vernetzten Energieanlagen Elektrotechnik und IT nicht getrennt voneinander betrachtet werden sollten.

Die elektrische Installation muss fachgerecht erfolgen – und die anschließende Einbindung in ein bestehendes Netzwerk ebenso.

Deshalb haben wir eine kompakte Kundeninformation zur IT-Sicherheit bei PV-Anlagen, Batteriespeichern und Wallboxen sowie eine dazugehörige technische IT-Sicherheits-Checkliste

erstellt.

Damit möchten wir Kunden dafür sensibilisieren, dass eine professionelle Installation nicht mit dem Einstecken eines Netzwerkkabels endet.

Eine moderne Energieanlage sollte nicht nur zuverlässig funktionieren – sie sollte auch sicher, nachvollziehbar und dokumentiert in das bestehende Netzwerk integriert sein.

Die Unterlagen finden Sie im Downloadbereich unter 6. Datenschutzaudit (Checklisten), Vorlagen (DSGVO)[1]